Niger. Tunesien. Libyen. Malta. Italien. Spanien. Frankreich. Deutschland. Was als Projekt zum Thema Seenotrettung begann, endete als Dokumentation des Horrors einer verzweifelten Reise durch Afrika und Europa. Für manche endet sie in den Tiefen des Mittelmeeres.

Eine Kinodokumentation. Internationale Filmfestival-Siege, unter anderem auch zwei Nominierungen bei zwei oskarqualifizierenden Festivals. Premiere sechs deutschen Städten. Route 4 im Programm von über 20 Kinos deutschlandweit.

Vor zwei Jahren hätten wir nicht damit gerechnet, je an diesem Punkt anzukommen. Zwar waren wir zu diesem damals schon medial für den Seenotrettungsverein Sea-Eye tätig, doch bahnte sich das Projekt, welches uns seit 2018 beschäftigte, erst langsam an.
Aus dem Plan, eine Dokumentation zur tödlichsten Grenze Europas und den Hilfsorganisationen, die vor Ort täglich Leben retten, zu drehen, wurde ein wesentlich umfangreicheres Projekt. Seenotrettungsdokumentationen gab es genug: Lifeboat, Juventa – Jugend rettet, die Mission der Lifeline etc. Wir machten es uns zum Ziel, nicht die NGO in den Vordergrund zu stellen, sondern die Menschen. Deren Fluchtursachen zu ergründen und sie von ihren Heimatländern aus über Transitregionen, Wüstenlandschaften und das Mittelmeer bis nach Europa zu begleiten, war etwas, worauf medial bisher wenig Augenmerk gelegt wurde. Und dennoch hat jede*r Schutzsuchende*r eine Geschichte zu erzählen. Erst während der Dreharbeiten wurde uns bewusst, dass das einschneidendste Erlebnis aller die Sklaverei, die Folter und die Pein in Libyen waren. Dieser failed State wurde das Zentrum unserer Handlung.
Wir wollen die europäische Brille absetzen und Seenotretter nicht zu Helden machen. Route 4 will die Ursachen und Probleme der Flucht erarbeiten und Empathie wecken, Verständnis für alle Parteien schaffen und ein Schritt auf dem Weg zu einem Europa sein, in dem Seenotrettung nicht mehr (privat) stattfinden muss.

https://www.youtube.com/watch?v=OMG6WuDjgWQ

Unsere Reise führt uns aus den Wüsten Nigers und dem Knotenpunkt Agadez mit überladenen Pick-Up Trucks (oder zu Fuß) durch die Wüste Nordafrikas. Über Tunesien legen die ersten zerbrechlichen Holzboote oder überladenen Schlauchboote ab. Für einige ist Libyen ein Zwischenstopp … oder die Endstation. Wer es dann schafft, sich meist nach Vergewaltigung und Folter freizukaufen oder zu fliehen, versucht sein Glück bei der Überquerung des Mittelmeeres. Kompass, ausreichend Treibstoff, die Fähigkeit zu schwimmen, fehlen den meisten.
Hunderte bis Tausende Menschen sterben allein bei dieser Überquerung jährlich (Quelle: statista).
Wer Glück hat und die Überquerung bewerkstelligt oder von einer der aktiven Hilfsorganisationen Sea-Eye, Sea-Watch, SOS Méditerranée oder Open Arms aus Seenot gerettet wird, findet sich in Auffanglagern auf Malta, in Italien oder Spanien wieder. Manchmal verbringen sie Monate abgesperrt von der Außenwelt, bis sie einem EU-Mitgliedsstaat zugeteilt werden, nur um in überfüllten Flüchtlingslagern anzukommen und vielleicht auch wieder abgeschoben zu werden.

All diese Stationen der Unmenschlichkeit bilden wir in unserer Dokumentation ab. Ein 15-jähriger Junge reist alleine durch Niger, ein junger Mann wird in Libyen gefoltert, zwei Frauen werden zur Zwangsprostitution gezwungen, bis sie freigelassen werden. Ein Teenager auf einem Sea-Eye Schiff möchte Showman werden, nachdem er in Europa angekommen ist. Er wird Monate in Malta festsitzen.
Sie alle werden von der sogenannten Libyschen Küstenwache bedroht und stehen kurz davor, gewaltsam in die Internierungslager Libyens gebracht zu werden.
Was nach einem dramatischen Höhepunkt klingt ,ist grausamer Alltag, vor dem Europa täglich seine Augen verschließt.

Route 4 wird am 24.11.2021 seine Deutschlandpremiere feiern. Alle Termine sind unten zu finden. Viele der Vorführungen werden durch eine Diskussionsrunde mit Mitgliedern*innen von Sea-Eye und der Filmcrew ergänzt. Der Film ist ab 12 Jahren freigegeben. Jeder Besucher und jede Besucherin unterstützt mit dem Besuch einer Vorführung Seenotrettung auf dem Mittelmeer und wird durch den Film eine neue Sichtweise auf die international angespannte Situation gewinnen.
Video on Demand Streaming ist ab dem 01.03.2022 geplant.

Kinovorführungen mit anschließender Diskussion:

  • Freiburg – Koki – 24.11.
  • Regensburg – Ostentor – 24.11.
  • Kiel – Hansa – 24.11.
  • Münster – Cinema – 24.11.
  • Kiel Hansa 48 – 24.11.
  • Fulda – Kino 25 – 24.11.
  • Kiel – Studio Kino – 25.11.
  • Köln – Lichtspiele Kalk – 27.11.
  • Edingen-Neckarshausen -Freiraumkino – 28.11.
  • Heidelberg – Karlstorkino – 20.12.
  • Heidelberg- Gloria Filmtheater – 09.01.

Weitere Städte folgen 🙌🏻

Pressemappe: Download

Website Route 4: www.route4-film.de

Für Seenotrettung spenden: sea-eye.org/spenden